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Presserundschau

Thumbnail for Wahlforum der Kirche und Diakonie zur  Kommunal- und Kreistagswahl
Posted by Matthias Ströhle - 15.05.2019, 18:06

„Wohin mache ich mein Kreuz?“, diese Frage stellte Brunhilde Raiser, Geschäftsführerin des Evangelischen Bildungswerkes Oberschwaben und Moderatorin des Wahlforums an den Anfang eines diskussionsfreudigen und informativen Austausches im evangelischen Gemeindehaus in Sigmaringen. Im Blick auf die bevorstehenden Kommunal- und Europawahlen setzten sich sechs Kandidaten der CDU, SPD, Grünen, FDP und einem Vertreter der Freien Wähler den Fragen der acht Geistlichen, Kirchengemeinderäten und Leitenden innerhalb der kirchlichen Dienste aus.

Bereits bei der Beantwortung der beiden Warm- up Fragen zum Auftakt der Gesprächsrunde kristallisierten sich die anschließenden Themenkomplexe heraus rangierten doch bei allen Diskussionsteilnehmern soziale Themen an erster Stelle. „Was möchten Sie unternehmen, um die angemessene Wohnraumversorgung für Menschen mit sozialen Schwierigkeiten sicherzustellen?“ mit dieser Frage eröffnete die Geschäftsführerin der Diakonie Balingen Diana Schrade Geckeler die Fragerunde. Martin Huthmacher (SPD) sieht angesichts der herrschenden Wohnungsnot in Sigmaringen die Stadt als möglichen Bauträger, während Martin Bösch (die Grünen) auf den Bau von Mehrgenerationenhäusern verweist und mit der Frage, wie sich die Kirche diesem Problem gegenüber verhält, den Ball an die Kirche zurückgibt. Pfarrer Matthias Ströhle konterte mit der Aussage, dass gegenwärtig ein leerstehendes Pfarrhaus für wohnungssuchende Studenten umgebaut werde.

Mit dem Fallbeispiel einer Frau, die 41 Jahre als Putzfrau in Vollzeit gearbeitet hat und jetzt mit 750 € Rente nicht weiß, wie sie ihren Lebensalltag gestalten soll, stellte Michaela Fechter von der Sozial- und Lebensberatung der Diakonie ihren Themenbereich, die voranschreitende Altersarmut, vor. Einig waren sich alle Kandidaten darin, einer drohenden sozialen Ausgrenzung betroffener Menschen mit sozialen Komponenten wie einem kostenlosen Bustransfer, preisgünstigem Mittagessen oder dem verbilligten Zugang zu kulturellen Angeboten entgegenzuwirken. In einer Zusammenarbeit der Stadt mit der Tafel sieht Gerhard Stumpp (die Grünen) eine weitere Möglichkeit, während Martin Huthmacher (SPD) auf die Bürgerstiftung der Stadt verweist, die bei Einzelfallentscheidungen eingreift. Das Thema Sonntagsschutz, eine Herzensangelegenheit der Kirche, stellte die Kirchengemeinderatsvorsitzende Christel Lührs-Trugenberger zur Diskussion. Die Einigung auf zwei verkaufsoffene Sonntage sind für Klaus Kubenz (Freie Wähler) ein tragbarer Kompromiss sowohl für die Kirche als auch für den Handel und die Kommune.

In der Verknüpfung verkaufsoffener Sonntage mit kulturellen Veranstaltungen (Fest der Kulturen, Sigmaringen wird fair-trade Stadt) sehen alle Diskussionsteilnehmer den richtigen Weg, denn „die Menschen sind dankbar, wenn sie bespaßt werden“, so der Erklärungsversuch des Ostracher Bürgermeisters Christoph Schulz (CDU) angesichts der Besuchermassen an verkaufsoffenen Sonntagen. Mit Sorge beobachtet die Kirche, so Pfarrerin Dorothee Sauer, dass das Religiöse aus dem öffentlichen Raum immer mehr verdrängt und dadurch christliche Wertevermittlung erschwert wird. „Was bedeutet es für Sie, dass Kirche Körperschaft des öffentlichen Rechts ist, und wie können Sie vor Ort die Rahmenbedingungen schaffen, in denen Kirche und Staat gut zusammenarbeiten können?“ Einschränkungen wie der aus Datenschutzgründen erschwerte Besuchsdienst kirchlicher Mitarbeiter im Krankenhaus oder die Weigerung der Hochschule der Kirche einen Raum zuzuweisen nannten Gerhard Stumpp (Die Grünen) und Hochschulpfarrer Matthias Ströhle. Mit Beispielen einer guten Zusammenarbeit von Gesellschaft und Kirche konterten Thomas Stehle (FDP) und Martin Bösch (Die Grünen). Sie erwähnten die Notfallseelsorge und die Beteiligung der Stadt am Fidelisfest (Stadtkapelle, Bürgermeister). „Fordern Sie uns, fordern Sie Ihre Beteiligung ein!“ betonten ausdrücklich und engagiert die Stadträte Martin Bösch und Martin Huthmacher.

Das gesellschaftlich relevante Thema Religionsunterricht an öffentlichen Schulen hinterfragte Schuldekanin Amrei Steinfort. Ein klares Ja zum Religionsunterricht bekannten zwar alle Teilnehmer der Fragerunde, beurteilten jedoch die Stellung des Ethikunterrichts unterschiedlich. Während Martin Bösch dieses Fach als Notlösung ansieht plädierte Gerhard Stumpp für eine Wahlmöglichkeit zwischen Religion und Ethik und Christoph Schulz für einen einheitlichen Ethikunterricht ab Klasse 8/9.

Kirchengemeinderätin Priska Armbruster fragte die Teilnehmer nach ihrer Einschätzung bezüglich ausreichender Angebote für Pflegebedürftige und ihre Angehörigen sowie nach möglichen Konzepten zur Umsetzung des Pflegepersonalstärkungsgesetzes vom 1. Januar 2019. Eine Riesenbürokratie, Brandschutzauflagen, sozial unverträgliche Arbeitszeiten und der Einsatz ausländischer Pflegekräfte mit Sprachbarrieren sind für Thomas Stehle (FDP) die Gründe für die mangelnde Attraktivität des Pflegeberufs. „Pflegekräfte im unteren und mittleren Bereich müssen finanziell besser versorgt, gewinnorientierte Pflegeeinrichtungen (GmbH´s) kontrolliert werden“, so Martin Huthmacher. Die Frage nach der Bedeutung des Prinzips der Subsidiarität in der Politik (Aufgaben, Problemlösungen usw sollen jeweils von der untersten Ebene einer Organisationsform übernommen werden) stellte Walter Märkle, der Geschäftsführer von Wohnen plus, Mariaberg. Für den FDP Kandidaten Stehle steht das Prinzip: „So wenig Staat wie möglich, sich selbst helfen ist erstes Gebot“, an erster Stelle. Die Umsetzung des Prinzips zeige sich, so die Kandidaten der anderen Parteien, bei der guten Zusammenarbeit von Staat und Kirche bei den Kindergärten.

Die letzte Fragerunde eröffnete Matthias Ströhle, Pfarrer und u.a. auch Bezirksbeauftragter für Asyl und Flüchtlinge im Kirchenbezirk. „Was möchten Sie tun, damit Integration hier im Landkreis gelingt?“ Während die Kandidaten der FDP, der Freien Wähler und der CDU die extreme Belastung der Bevölkerung durch die LEA, die schleppende Abschiebung kriminell gewordener Flüchtlinge und die zu vielen Integrationsbeauftragten beispielsweise in Ostrach aufzählten, lieferten die Kandidaten der SPD und der Grünen konkrete Ansätze: eine bessere Unterstützung Ehrenamtlicher, Bürokratieabbau und mehr Unterstützung des Landkreises bei der Unterbringung von Flüchtlingen in Sigmaringen sowie eine gerechtere Umverteilung auf die Landkreisgemeinden.

Am Ende dieser aufschlussreichen Debatte waren sich alle Diskussionsteilnehmer darin einig, dass eine schnelle und unbürokratische Kommunikation zwischen Kirche und Kommune die Grundlage für eine guten Zusammenarbeit ist und dies umzusetzen gilt.

Thumbnail for Weihnachtsgutscheine helfen Bedürftigen
Posted by Matthias Ströhle - 12.12.2018, 11:19
Höhere Gaskosten, ein krankes Kind im Krankenhaus, eine kaputte Waschmaschine in einem kinderreichen Haushalt – es gibt viele Gründe, die Menschen auch in Sigmaringen in akute Not, ja in Verzweiflung treiben können. Solidarität mit Benachteiligten zu praktizieren, Menschen in sozialer Notlage schnell und unbürokratisch unter die Arme zu greifen, diesem Anspruch fühlt sich der karitative Förderverein St. Franziskus der Seelsorgeeinheit Sigmaringen verpflichtet....
Thumbnail for Die Diakonische Bezirksstelle wird Beratungsstelle des Monats
Posted by Matthias Ströhle - 30.04.2018, 09:25

Die Sozial- und Lebensberatung der Diakonischen Bezirksstelle ist in Sigmaringen im Evangelischen Gemeindehaus in der Karlstrasse 24 verortet. Die räumliche Lage drückt bereits eine wesentliche Ressource dieses Beratungsangebotes aus: Frau Fechter arbeitet unter anderem eng vernetzt mit der Kirchengemeinde zusammen, das Beratungsangebot ist aber trotzdem ein unabhängiger Dienst für Ratsuchende in schwierigen Situationen und Lebenslagen. Der diakonische Grundauftrag, Menschen in Notsituationen zu helfen und zu unterstützen, kann durch dieses Beratungsangebot gelebt werden. Ebenso ist es in unserer modernen Zeit immer wichtiger, das Sprachrohr für Menschen zu werden, die mit ihren Problemen nicht oder nur schwer Gehör finden in Öffentlichkeit und Politik. Deshalb will die  Beratungsstelle auch Anlaufstelle sein und ggf. Mißstände beheben.

Dem Kirchenbezirk  Balingen ist es ein großes Anliegen, dass dieses Angebot vor Ort in Sigmaringen, nah an den Menschen, vorgehalten wird.

 

Die Beratungsstelle kann in schwierigen  Lebenslagen direkt und individuell  durch Beratung und Mittel unterstützen, kann  klären, welcher Fachdienst vor Ort für ein bestimmtes Anliegen geeignet  oder welche  Behörde zuständig ist. Von daher ist eine gute enge Vernetzung mit Behörden, Fachdiensten, Einrichtungen, Kirchengemeinden und Wohlfahrtsverbänden wichtig und Voraussetzung für ein gutes Arbeiten der  Sozial- und Lebensberatungsstelle.  

 

Interview „Beratungsstelle des Monats“

Die Sozial- und Lebensberatung der Diakonischen Bezirksstelle Balingen in Sigmaringen– Interview mit Michaela Fechter, die mit 50% diese Stelle bekleidet. Frau Fechter ist zuständig für Ratsuchende  in Sigmaringen und umliegenden Gemeinden. Die Fragen stellte Past. Ref. Wolfgang Holl.

PR Holl: Frau Fechter, Sie arbeiten jetzt ja schon fast  5 Jahre hier in Sigmaringen in der Sozial -und Lebensberatung der Diakonischen Bezirksstelle. Wenn Sie diese Zeit überblicken, welche Entwicklungen nehmen Sie wahr?

Fr. Fechter: In vergangener Zeit nehme ich eine starke Zunahme der Armut und eine zunehmende  Zahl an Obdachlosen wahr. Sicherlich ein Hauptgrund hierfür ist, dass es immer weniger bezahlbaren Wohnraum gibt, die Wohnungsnot wird immer größer. Dieses Thema betrifft mittlerweile nicht nur eine kleine „Randgruppe“ in der Gesellschaft, sondern einen immer größeren Bürgeranteil. 

PR Holl: In den letzten zwei Jahren haben Sie in der Landeserstaufnahme für Flüchtlinge, d.h. in der Kaserne gearbeitet, die Sozial-und Verfahrensberatung aufgebaut. Hat diese Arbeit Ihren Blick auf die Menschen verändert?

Fr. Fechter: Sicherlich wurde durch meine dortige Tätigkeit meine Wahrnehmung geschärft und sensibler. Mein Blick auf die Menschen war schon immer intensiv, die Wertschätzung und Annahme des Individuums in seiner Einzigartigkeit, eine Annahme des Klienten- egal welcher Nation oder Religion-  mit und in seiner eigenen Wahrnehmung war mir immer wichtig.  Demzufolge  änderte sich nicht mein Blick, sondern meine Beratungserfahrung erweiterte sich.

PR Holl: Sie sind von der Anstellung her auf der Kirchenbezirksebene angesiedelt, haben aber direkte und enge Kontakte in die Gemeindediakonie hinein durch die Menschen, die in die Kleiderkammer oder zur Beratung in die Karlstrasse kommen. Verzweifeln Sie da manchmal nicht, wenn Sie die Not der Menschen sehen?         

Fr. Fechter: Meine Beratungstätigkeit kann ich leider in immer selteneren Fällen als einmalige Überbrückung, (eine Brücke hat Anfang und Ende) sehen, sondern als konstanten Wegbegleiter für Hilfesuchende. Das Positive ist, dass dadurch zwischenmenschlich tolle Beziehungen entstehen können, Vertrauen wächst, Menschen mich kennen und wissen, dass sie sich auf mich in meiner Stelle verlassen und in meiner Beratungsstelle Rat finden  können. Armut wird immer mehr zu einem dauerhaften Zustand und bedarf kontinuierlicher Linderung.

Eigene Verzweiflung?...nein. Für mich ist es ein Geschenk, dass ich Menschen helfen kann und darf.  Ich schöpfe Kraft aus  den positiven Dingen, aus den Begegnungen mit Menschen und Kontakten in meiner Beratungsarbeit. 

PR Holl: Armut macht einsam und zeigt sich nicht nur in roten Zahlen beim Blick auf den Kontostand. Armut hat, besonders wenn sie länger anhält, auch Tiefenwirkungen und Langzeitwirkungen auf die Betroffenen. Armut macht krank. Können Sie das bestätigen?

Fr. Fechter: Armut macht krank – und: Krankheit macht manchmal auch arm. Es ist eine Art Sogwirkung nach unten, beides zieht häufig die Menschen raus aus gesellschaftlichen Kontakten. Leider macht Armut Menschen auch manchmal kriminell. Diese Menschen sehen keinen anderen Ausweg mehr, wie gegen Gesetze zu verstoßen, um sich und ihre Familie finanziell durchzubringen.

PR Holl: Wer seine Arbeit gerade in so engem Kontakt mit Menschen in Not mit Herzblut macht, braucht starke Visionen. Welche Visionen geben Ihnen Kraft? Wovon träumen Sie?

Fr. Fechter:  An dieser Stelle könnte ich seitenfüllend antworten. Ich habe große Visionen und Träume, in der Ferne und in der Nähe, konkret in Sigmaringen. In der Ferne, dass Kinder in Kriegsgebieten wieder von Schmetterlingen und nicht mehr von Bomben morgens geweckt werden. In Sigmaringen momentan ganz konkret, dass die soziale Verantwortung des Wohnungsbaus verstärkter umgesetzt wird. Ich würde mir wünschen, dass die Gesellschaft, die Verbände, die Kirchengemeinden, die Bürger das Thema der zunehmenden Armut ernstnehmen und jetzt schon frühzeitig entgegenwirken und nicht erst, wenn die Armut breiter manifestiert ist. Ich sehe dies als diakonischen Auftrag an, auch frühzeitig zu agieren und Präventionsarbeit zu leisten. Dies kann durch unterschiedliche Ansätze und Angebote stattfinden, sei es durch Projekte, Beratungsangebote, Öffentlichkeitsarbeit, Kommunalpolitik. Politik, Kirchen und Gesellschaft müssen sich eng vernetzen und das Bewusstsein aller schärfen, dass die Armutsbekämpfung Auftrag jedes Einzelnen ist.

PR Holl: Vielen Dank für das interessante Gespräch – und ich freue mich auf eine weiterhin gute Zusammenarbeit.

Bildnachweis auf dieser Seite: Foto: Ljupoco Smokovski / fotolia

Pfarramt I

Dorothee Sauer
Pfarrerin in Sigmaringen & Codekanin im ev. Kirchenbezirk Balingen

Tel. 07571 / 683014

Pfarramt II

Matthias Ströhle
Pfarrer in Sigmaringen & Beauftragter für Hochschulseelsorge im ev. Kirchenbezirk Balingen

Tel. 07571 / 683011

Pfarramt III

Kathrin Fingerle & Micha Fingerle
Pfarrerin und Pfarrer in Sigmaringen

Tel. 07571 / 3430

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