Der 3. Mai ist der dritte Sonntag nach Ostern und trägt den Namen „Jubilate“
Jubilate – Jubelt! Jubilate ist der Sonntag der Neuschöpfung: Erinnerung an die erste Schöpfungsgeschichte, Jubel über die Auferstehung als Neuschöpfung, Hoffnung auf den verheißenen neuen Himmel und die neue Erde. Schöpfung und neues Leben sind also Themen des Sonntags Jubilate. Er erzählt von der guten Schöpfung am Anfang, von dem von dem schöpferischen Spiel der Weisheit vor Gott, aber auch von der Vorläufigkeit der Schöpfung. Auch Christen sind der Vergänglichkeit unterworfen. Und doch haben sie bereits eine Ahnung von neuem Leben. Denn Jesus ist auferstanden. Für den, der daran glaubt, hat der Tod seine Endgültigkeit verloren. Neu zu werden ist möglich, auch hier und heute. Wer an dieser Hoffnung festhält, dem wächst Stärke zu.
Der Predigttext für diesen Sonntag ist in diesem Jahr Johannes 15, 1-8 Das Jesuswort vom „wahren Weinstock“. Auch der Weinstock ist ein Schöpfungsbild und Zeichen für die Auferstehung. Wie der Weinstock seinen Trieben Kraft gibt, so haben auch Christen ihren Halt in Christus und können sich immer wieder zum Leben rufen und erneuern lassen.
1 Ich bin der wahre Weinstock und mein Vater der Weingärtner.
2 Eine jede Rebe an mir, die keine Frucht bringt, nimmt er weg; und eine jede, die Frucht bringt, reinigt er, dass sie mehr Frucht bringe.
3 Ihr seid schon rein um des Wortes willen, das ich zu euch geredet habe.
4 Bleibt in mir und ich in euch. Wie die Rebe keine Frucht bringen kann aus sich selbst, wenn sie nicht am Weinstock bleibt, so auch ihr nicht, wenn ihr nicht an mir bleibt.
5 Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun.
6 Wer nicht in mir bleibt, der wird weggeworfen wie eine Rebe und verdorrt, und man sammelt die Reben und wirft sie ins Feuer, und sie verbrennen.
7 Wenn ihr in mir bleibt und meine Worte in euch bleiben, werdet ihr bitten, was ihr wollt, und es wird euch widerfahren.
8 Darin wird mein Vater verherrlicht, dass ihr viel Frucht bringt und werdet meine Jünger.
Der Text fordert uns heraus. Folgende Fragen können Sie zu Hause diskutieren oder alleine bedenken:
Die Vesteräs-Methode arbeitet mit 4 Schritten. Gehen Sie diese Schritte nacheinander durch:
Schritt 1: Bitten Sie Gott um seine Gegenwart. Dies können Sie mit einem Gebet oder mit einem Lied tun.
Schritt 2: Lesen Sie den Bibeltext laut. Wenn Sie nicht alleine sind, dann bestimmen Sie eine Person, die den Bibeltext liest.
Schritt 3: Lesen Sie den Bibeltext ein zweites Mal persönlich durch. Setzen Sie dann folgende Zeichen an den Textrand:
! Ein Ausrufezeichen für Textstellen, in denen eine wichtige Erkenntnis steckt
? Ein Fragezeichen für Textstellen, die unklar sind
→ Einen Pfeil für Textstellen, die mich persönlich angesprochen haben
Ein Smilie für alles, was Ihnen gefällt
Ein trauriger Smilie für alles, was Sie ärgert oder zum Widerspruch anregt
X Ein X oder Stern für alles, was Sie an ein persönliches Erlebnis erinnert
Schritt 4: Tauschen Sie sich im Anschluss (falls möglich) in der Gruppe darüber aus, welche Textstellen Sie markiert haben und warum.
Der Predigttext stammt aus den sogenannten Abschiedsreden Jesu aus dem Johannesevangelium (Joh 13-17). Es enthält ein sogenanntes „Ich bin-Wort“, von dem es im Johannesevangelium insgesamt 7 gibt. Die Ich-Bin-Worte sind ein Spezifikum des Johannesevangeliums.
Der Predigttext im Einzelnen:
V.1-2: Der Vers ist gleichsam ein Auftakt und eine Inhaltsangabe. Er zeigt einen Vergleich auf: Jesus Christus ist der Weinstock. Gott der Weingärtner. Im weiteren Verlauf tritt der Weingärtner in den Hintergrund, er kommt erst in V. 8 wieder. Der Weingärtner hat die Aufgabe den Weinstock zu pflegen. Das Alte Testament und die jüdische Tradition beschreiben Gott als den, der Israel als seine Pflanzung gründet, umsorgt, bewahrt und aber auch ausreißen und verbrennen, wenn sie die Frucht verweigert (Ps 44,2f; Jes 5, 1-7)
V.3: Dieser Vers fällt etwas aus dem Fluss des restlichen Textes heraus. Das Weinstockbild wird verlassen, das Wort tritt in den Vordergrund. Dieser Satz wirkt wie ein aktueller Kommentar an die johanneische Gemeinde, für die das Evangelium zunächst geschrieben war. Das Wort Gottes versetzt die Gemeinden in den Stand schon geläutert und gereinigt zu sein.
V.4: Dieser Vers schließt direkt an V.2 an. Er fordert die Gemeinde heraus am Weinstock zu bleiben. Das ist insofern interessant, da das Naturbild hier um im Folgenden bricht: Die Rebe in der Natur kann an von sich aus nichts tun, im Glauben aber schon. Der Glaubende kann bleiben oder nicht. Er hat eine gewisse Selbstverantwortung.
Verschiedene Übersetzungen aus dem Griechischen sind denkbar:
Der Vers enthält auch eine Warnung: Ganz allein kann die Rebe keine Frucht bringen. Ganz allein können wir als Christen auch nicht in Jesu Sinn handeln. Wir brauchen die Kraft von ihm.
V.5: Jetzt kommt das eigentliche „Ich-bin-Wort“. Es ist die logische Fortführung der vorherigen Verse. Jesus Christus ist der wahre Weinstock. Wir in ihm, er in uns: Eine fast mystische Verschränkung ist das. Diese Verbindung muss da sein, dann gelingt das Fruchtbringen, sonst nicht. Nur der, der wissend und wollend an Jesus bleibt, ist und vermag, was er soll.
V.6: Dieser Vers umschreibt was passiert, wenn jemand nicht in Christus bleibt. Er verdorrt, er bringt keine Frucht. Der Weingärtner aus V.2 kommt wieder in den Blick. Es ist besser, wenn er dann die Rebe entfernt und sie verbrennt. Man könnte den Vers als ein Gerichtswort sehen. Gemeint ist aber wohl nicht das Endgericht, sondern das jetzige Leben und die konkrete Auswirkung. Das ist auch eine Glaubenserfahrung: Wer keine Verbindung zu Gott hat, der trocknet aus, der verkümmert geistlich.
V.7: nun folgt die Verheißung auf Gebetserhörung. Das Bitten der Gemeinde ist aber im Kontext der Verse 2-6 zu sehen. Nicht willkürliches und selbstbezogenes Bitten wird erhört, sondern das Bitten um die Christus-gemäße Frucht. Das Bitten um das, was ihr wollt, bezieht sich darauf in Christus zu bleiben und gute Frucht zu bringen. Dieses Bitten wird Gott erhören.
V.8: Dieser Vers nennt das Ergebnis der in der Gemeinde wachsenden Frucht: Die Verherrlichung des Vaters. Durch die Frucht des Einzelnen wird Gott gelobt, denn von ihm kam ja die Kraft. An der Frucht wird die Verbindung zu Gott erst deutlich.
Das Johannesevangelium enthält insgesamt sieben „Ich-bin-Worte“ Jesu. Sie setzen sich aus einer Selbstvorstellung und einer Verheißung zusammen.
Joh 6,35 Ich bin das Brot
Joh 8,12 Ich bin das Licht der Welt
Joh 10,7.9: Ich bin die Tür
Joh 10, 11.15 Ich bin der gute Hirte
Joh 11,25f Ich bin die Auferstehung und das Leben
Joh 14,6 Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben
Joh 15,1.5 Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben
Eine Sonderstellung nehmen die beiden Worte vom guten Hirten und vom wahren Weinstock ein. In beiden Versen werden Christus und die Gläubigen miteinander verschränkt (Joh 10,14f: Ich kenne die meinen und die Meinen kennen mich und Joh 15.1.5 wer in mir bleibt und ich in ihm)
Alle „Ich-bin-Worte“ haben mit der Erlösung in Jesus Christus zu tun und nehmen Grunderfahrungen des menschlichen Lebens auf. Jede Grunderfahrung nimmt eine menschliche Sehnsucht, eine Urnotwendigkeit auf (Essen, Licht, dazu gehören, bewahrt werden, Tod und Leben, den rechten Weg gehen, in Beziehung sein). Die „Ich-bin-Worte“ machen deutlich, dass alle diese Ur-Sehnsüchte und Ur-Notwendigkeiten in Jesus Christus erfüllt sind. In ihm werden alle Sehnsüchte gestillt.
Das Wochenlied für den Sonntag Jubilate ist ein Osterlied: EG 110 Die ganze Welt, Herr Jesu Christ
Besonders das Lied EG 406 Bei dir Jesu, will ich bleiben nimmt das Bild des Weinstocks auf, im ersten Vers heißt es: „Du bist meines Lebens leben, meiner Seele Trieb und Kraft, wie der Weinstock seinen Reben zuströmt Kraft und Lebenssaft.“
Zwei weitere Lieder nehmen auch andere „Ich bin-Worte“ auf: NL plus 165 Jesus, du guter Hirt und NL plus 122 Du bist der Weg und die Wahrheit und das Leben.
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