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Abschluss der Rekonstruktion unserer Stadtkirche

Die Baustelle „Evangelische Stadtkirche“ ist Vergangenheit. Mehrere Jahre haben wir an der Rekonstruktion gearbeitet:

Abschluss der Rekonstruktion unserer Stadtkirche

Die Baustelle „Evangelische Stadtkirche“ ist Vergangenheit. Mehrere Jahre haben wir an der Rekonstruktion gearbeitet:

  • Gartenpflege, um die Architektur wieder sichtbar zu machen
  • Innenrenovierung zur Annäherung an die ursprüngliche Stilrichtung der Neogotik
  • Außenrekonstruktion und Sanierung, um den ursprünglichen Bau Friedrich August Stülers wieder herzustellen.

Mit der Firma Eduard Schnell aus Fridingen / Donau ist ein Sigmaringer Schmuckstück aus der preußischen Zeit Hohenzollerns wieder erstanden. Zahlreiche Spender und unsere Gemeindeglieder haben dazu beigetragen. Ihnen gilt der Dank des Kirchengemeinderats.

Wir haben es geschafft

Noch vor dem Wintereinbruch konnte der 2. Bauabschnitt abgeschlossen werden.

Die Fassade ist gereinigt, das Fugenbild in einheitlicher Farbgebung wieder hergestellt. Auch ein neuer, sehr schlanker Schornstein ersetzt den bisherigen. Die neue Giebelabdeckung wird von einer schönen Kreuzblume gekrönt, und die Gebäudeecken durch filigrane Fialen verziert. Sämtliche Betonteile aus der letzten Restauration im Jahre 1962 sind durch Sandsteine ersetzt und geben der Kirche wieder den ursprünglichen Ausdruck dieser prägenden Architektur.

Alle Handwerker, allen voran die fleißigen Steinmetze der Firma Schnell, haben hervor-ragende Arbeit geleistet.

Die Beschaffung der neuen Steine war nicht einfach, da das Material der künftigen Be-witterung standhalten, aber auch farblich zu den eingebauten Steinen passen muss.

Alle Reparaturen und notwendigen Ausbesserungen wurden mit selbst hergestellten

Mörteln und Schlämmen vorgenommen, welche aus den gemahlenen Sanden der ein-gesetzten Gesteinsarten hergestellt wurden.

Neben der fachlich richtigen Ausführung mussten die gewählten Lösungen immer auch dem Denkmalschutz gerecht werden.

Es war ein gewaltiger Aufwand, auch finanziell gesehen. Aber das Ergebnis kann sich sehen lassen, darauf dürfen alle stolz sein.

Karl Traub

Laudatio

Restaurierung der Evang. Stadtkirche Sigmaringen durch Fa. Eduard Schnell, Steinmetz - Meisterbetrieb in Fridingen

Verleihung des Peter-Parler-Preises am 21.05.2009, Messe stonetec Nürnberg

Ziemlich genau vor 8 Jahren…
„Herangewagt und gewonnen“ würde ich es überschreiben, wie Fa. Schnell, ein generationenübergreifender Steinmetz-Meisterbetrieb im Süden Baden-Württembergs, diese Kirche bereichert hat.
Im Schatten des Sigmaringer Fürstenschlosses kommt das Kirchlein zunächst unscheinbar daher.
Aber wer genau hinsieht, begreift die Kirche schnell als eigenwillige Komposition des Berliner Oberhofbaurats Friedrich Stüler im Jahre 1862 in königlichem Auftrag Friedrich Wilhelm IV. von Preußen.
1962 wird die Kirche zur 100 - Jahrfeier unter staatlich-landeskonservatorischer Aufsicht außen renoviert. Dabei wurden die in gotischem Stil entworfenen Fialbekrönungen des Turmoktogons entfernt und durch einfache Pyramidenköpfe mit Kugelknauf in Betonwerkstein ersetzt. Die Fialen und Kreuzblume des Westwerks wurden der Einfachheit halber ersatzlos gestrichen und eine glatte Ortgangsabdeckung ebenfalls in Betonwerkstein aufgebracht.
Bei heutiger Betrachtung bewirkt die dabei durchgeführte Reduktion der Schmuckelemente der Hauptgebäudeteile Westfassade und Turm heftiges Kopfschütteln. Den Entwurfsgedanken Stülers verstümmelt, erlitt das Gesamtwerk eine Periode der Formschwäche.
Ab 2006 gibt es wieder Hoffnung! Die zementhaltigen Steinersatzmassen der Repliken haben ihre Lebenserwartung erfüllt (immerhin fast 45 Jahre) und eine neue Instandsetzungskampagne wird notwenig. Die rostenden Eisenarmierungen der 60-er Jahre sprengen den Betonwerkstein und sie sprengen damit auch das damalige Instandsetzungskonzept.
Das neue Konzept sieht im Wesentlichen den Rückbau der maroden Steinersatzmassen und die Wiederherstellung in Naturstein vor. Hervorragend führt Fa. Schnell dabei die klassischen Steinerneuerungsmaßnahmen, z.B. am völlig aufgeschieferten und in großen Teilen bereits mit Zementmörtel ausgebesserten Rosettenfenster des Westgiebels, aus. Insbesondere der Umgang mit dem verschiedenen am Bau vorgefundenen, gezielt für bestimmte Bauteile verwendeten Naturstein ist bemerkenswert.
Die Fassade, von Stüler als steinsichtig entworfen und in genau der natürlichen Farbigkeit und Oberflächenbearbeitung des jeweiligen Steinmaterials gewollt, stellt einen hohen Anspruch an die Natursteinarbeiten. Ersatzsteine für Kalksteinmauerwerk am Schiff, Kalktuff am Turm sowie grünlicher bis rötlicher feinkörniger Sandstein für die Zierelemente und Gesimse sind möglichst nahe der Beschaffenheit der z.T. leider nicht mehr vorhandenen Originalbrüche ausgewählt. Ein besonderes Augenmerk liegt auch auf der Witterungsbeständigkeit des Materials. Dafür werden auch gezielt petrographische Untersuchungen angestellt.
Das Restaurierungskonzept für die kleineren Schäden am Naturstein basiert auf speziell für diese Kirche vor Ort durch Fa. Schnell abgestimmte Fugen-, Schlämm- und Kittmörtel auf Kieselsolbasis.
Die interdisziplinäre Diskussion zwischen den Belangen staatlicher Denkmalpflege, den finanziellen Interessen des Bauherrn, den naturwissenschaftlichen Untersuchungen und deren Ergebnissen, Stülers Gestaltungswille post mortem sowie die statischtechnischen Herausforderungen bei der Instandsetzung erforden Geschick und Kondition. Fa. Schnell hat dieses Ringen um die richtige Lösung zugunsten des Bauwerks beeinflusst!
Fa. Schnell ist es letztlich zu verdanken, dass durch umfangreiche Recherche und großes Engagement bei der Rekonstruktion die originale Ausführung der Turmfialen und Giebelbekrönungen wiederherstellt werden konnte.
Nach Fotografien des Gebäudes von 1877 (!) also bald nach der Erbauung, und mit der ganzen Erfahrung eines Berufslebens in der Denkmalpflege konnte Fa. Schnell die Zierfialen und Kreuzblumen mit Krabben und Laub in gotischem Stil rekonstruieren und den
Gestaltungswillen Stülers wieder sichtbar machen.
Die Erfüllung der Bauaufgabe in dieser Qualität geht weit über das Abarbeiten von Leistungspositionen, wie sie in Verdingungsordnungen für das Bauwesen beschrieben werden können, hinaus.
Hier wird spürbar, wie die beiden Steinmetz meister, Vater und Sohn, an ihrer Berufsehre gepackt, das beste für das Objekt erreichen wollen. Die Kirche hat auf diese Weise nicht nur eine preiswürdige bauliche Instandsetzung, sondern auch eine religiöse Aufwertung in glorioser, zur Ehre Gottes gereichender Weise erfahren.
Fa. Schnell wird deshalb mit dem Peter-Parler-Preis 2009 für die durchgeführten Steinmetz- und Restaurierungsarbeiten ausgezeichnet.
Peter Reiner,
Mitglied der Jury, Peter-Parler-Preis
Stellungnahme des
Evangelischen Oberkirchenrats
in Stuttgart

Die Kirche wurde 1862 von dem Berliner Baumeister Friedrich August Stüler (1800-1865) errichtet. Er war ein Schüler Karl Friedrich Schinkels und einer der maßgeblichen Architekten seiner Zeit. Seinem Büro entstammen mehr als 400 Kirchenentwürfe, aber auch andere Gebäudetypen wurden von ihm gebaut.

Zu seinem Werk gehören u.a.:

  • Neues Museum Berlin

(Teil des UNESCO Welterbes)

  • Nationalgalerie Berlin
  • Universität Königsberg
  • Nationalmuseum Stockholm
  • Akademie der Wissenschaften

in Budapest

  • Friedrichskirche Potsdam
  • St. Nikolaikirche Potsdam
  • Wiederaufbau der Burg Hohenzollern

In Württemberg stehen zwei seiner Kirchen:

  • Johanneskirche Hechingen
  • Stadtkirche Sigmaringen

Die Anordnung eines Repräsentationsgebäudes auf einer (künstlichen Anhöhe) in Verbindung mit einer Treppenanlage findet sich bei Stüler auch bei anderen Bauwerken. Sie hebt die Bedeutung des Gebäudes – im wörtlichen Sinne – hervor, erzeugt archtiktonisch den Ausdruck der Erhabenheit. Dem Besucher wird vermittelt, an einem herausgehobenen, d.h. besonderen Ort angekommen zu sein. Dies geschieht jedoch, ohne das Gefühl der Ohnmacht oder Überwältigung beim Betrachter aufkommen zu lassen. Der Grund dafür ist, dass die Proportionalität seiner Architektur mit dem menschlichen Maß korrespondiert. Obwohl der Innenraum in seinen Abmessungen nicht sonderlich groß ist, wirkt er durch seine gestalterische Klarheit angenehm großzügig. Die farbigen Chorfenster in strahlenden Blautönen geben dem Raum eine Tiefenwirkung über das geometrische Maß hinaus.

2005 wurde festgestellt, dass die steinsichtigen Außenfassaden besorgniserregend geschädigt und dringend sanierungsbedürftig sind. Umso erfreulicher war es, dass die Kirchengemeinde sich mutig dieser Aufgabe gestellt hat und sie zu Ende bringen will, auch wenn ihre finanziellen Möglichkeiten begrenzt sind.
Die Kirchengemeinde hat bereits 1999 – 2000 die Renovierung des Innenraums in einer überaus qualitätsvollen Weise durchgeführt und dabei neben einem hohen Engagement viel denkmalpflegerische Feinfühligkeit bewiesen.

Es darf also erwartet werden, dass die jetzt durchgeführte Außenrenovierung nicht nur den Erhalt des architektonisch hochwertigen Kulturdenkmals und seine Tradierung sichern wird, sondern mit ebendieser Sorgfalt und Fachkompetenz ausgeführt wird.

Fazit:
Die evangelische Stadtkirche ist im Blick auf ihre o.g. Geschichte und konkrete Ausgestaltung ein hervorragendes Dokument für einen Kirchenbau dieser Zeit.
Dieses Kirchengebäude ist bewusst in dieser Art als evangelische Kirche in der Diaspora der sonst katholischen Residenz Sigmaringen errichtet worden und somit aus der Sicht des evangelischen Oberkirchenrats besonders erhaltungs- und förderwürdig.

Kontakt

Evangelische Kirchengemeinde Sigmaringen
Karlstr. 24 | 72488 Sigmaringen

Gemeindebüro: 07571 683010
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